Hilfe beim Kauf von gebrauchten Enduros

Diese Liste soll eine Hilfestellung beim Kauf von gebrauchten Enduros sein. Alle Eventualitäten sind damit sicherlich nicht abgedeckt. Habt Ihr aber alle Punkte überprüft, sind etliche Überraschungen schon mal ausgeschlossen. Gibt es Punkte, bei denen Ihr Euch unsicher seid, zieht lieber einen Fachmann zu Rate. Das gilt insbesondere dann, wenn das Herzstück des Geräts - der Motor - seltsame Geräusche wie Rasseln oder Klackern von sich gibt. Auf eine Probefahrt solltet Ihr auf keinen Fall verzichten. Ist der Verkäufer vertrauenswürdig? Wenn er z.B. behauptet, dass die Enduro kaum im Gelände bewegt wurde, an den Unterzügen des Rahmens sind jedoch große Dellen oder tiefe Kratzer zu entdecken, stimmt etwas nicht!

Checkpoints

  • Rost und Risse: In der Regel sagt Rost noch nicht unbedingt etwas über den technischen Zustand des Geräts aus. Roststellen sind meist an Schweißnähten des Auspuffs und des Rahmens zu finden. Aber: Genau hinschauen. Bei Roststellen z.B. im Lenkkopfbereich oder am Rahmenheck sind manchmal auch Haarrisse zu finden. Dann Vorsicht bei diesem Gerät!

  • Dichtungen: Überprüft Zylinderkopf und –fuß auf Flüssigkeitsaustritt. Bei älteren, luftgekühlten Enduros können die Dichtungen Öl ausschwitzen. Bei einigen Enduromodellen war dies in gewissen Grenzen "normal". Bei wassergekühlten Motoren darf auf keinen Fall Kühlflüssigkeit austreten. Überprüft auch die Kühler und die Anschlussschläuche. Auch die restlichen Dichtungen am Motor- und Getriebegehäuse können undicht sein! Ein neuralgischer Punkt ist auch die Dichtung an der Antriebswelle, sprich hinter dem Ritzel. Ölaustritt hier kann auch auf ein defektes Lager hindeuten. Bei Kardanantrieb kann am Winkeltrieb der Simmering undicht sein. Auch die Simmeringe der Gabelholme sowie das/die Federbein/e können Öl verlieren.<br>  Alles, was mit Abdichtung zu tun hat vor und nach einer Probefahrt überprüfen!

  • Benzin: Bei geöffnetem Benzinhahn sollte bei aufrecht stehendem Motorrad kein Sprit durch den Überlaufschlauch fließen. Dann nämlich würde mit dem Vergaserschwimmer etwas nicht stimmen. Überprüft Benzinhahn auf Gängigkeit, schaut nach, ob der Vergaser tropft, ob die Benzinschläuche und der Vergaserflansch brüchig sind, ob der Tank in Ordnung ist.

  • Anbauteile: Sind die Kunststoffteile an der Enduro sichtbar neu, den Vorbesitzer fragen, warum. (Stürze, vielfacher Geländeeinsatz?) Schleifspuren und Kratzer sind an Enduros nicht unbedingt ungewöhnlich, trotzdem nach der Herkunft fragen. Sturzspuren finden sich außerdem in der Regel an den Fußrasten, den Lenkerenden, am Auspuff, an den Armaturen und am Rahmen.

  • Fahrwerk: Motorrad aufbocken und folgende Dinge überprüfen: Bei freischwebendem Vorderrad die Gabelholme unten anpacken und nach vorne und hinten rütteln. Gibt es hier Spiel, ist das Lenkkopflager locker oder defekt. Rad nach rechts und links einschlagen. Dies sollte ohne Ruckeln möglich sein, weil sonst das Lenkkopflager eingelaufen oder zu fest angezogen ist. Übrigens: Stark deformierte Lenkanschläge deuten auf Stürze bzw. Unfälle hin. Die Schwinge bei frei hängendem Hinterrad nach rechts und links drücken. Gibt es hier Spiel, sind die Schwingenlager defekt. Schwinge nach oben drücken: Gibt es hier Spiel, gibt es mehrere Fehlerquellen, z.B. die Lager der Umlenk-Hebelei oder die Aufnahmepunkte des Federbeins. Die Räder sollten in beiden Richtungen frei und ohne Schleifgeräusche laufen. Die Felgen kann man auch überprüfen, indem man bei aufgebocktem Gerät zwischen Gabel bzw. Schwinge und Felge einen Kugelschreiber oder ähnliches anhält und das Rad dreht. So entdeckt man Felgenschläge. Die Speichen mit einem Schraubenzieher abklopfen. Ein heller Klang ohne Scheppern ist hier gefragt. Räder bei aufgebocktem Motorrad auch nach rechts und links verwinden. So kann man Spiel der Radlager erkennen. Noch ein Punkt: Sind die Reifen noch in Ordnung? Dürfen die Reifen auf dieses Motorrad überhaupt aufgezogen werden (im Fahrzeugschein/-brief überprüfen). Die Bremsen sollten noch ausreichend dicke Beläge haben (mindestens 4mm), die Bremsscheiben dürfen keine Risse haben, dürfen nicht verwunden sein oder tiefe Rillen haben. <b>Es darf kein Öl auf den Bremsscheiben sein!

  • Kette: Lässt sich die Kette in gespanntem Zustand leicht hinten vom Kettenrad abheben, deutet das auf starken Verschleiß hin. Haben die Kettenblätter "Sägezähne", sind sie verbraucht. Sind die Kettenräder für das Motorrad zugelassen? Gegebenenfalls in den Fahrzeugpapieren überprüfen und nachzählen.

  • Elektrik/Instrumente Überprüfe die Funktionen von:
    - Vorderlicht
    - Hinterlicht
    - Bremslicht
    - Blinker
    - Kontrollleuchten
    - Notaus-Schalter
    - Hupe
    - Tachometer
    - Sonstiges

    Prüfe die Gängikeit der Bowdenzüge (Gas, Kupplung, Choke). Sie müssen leicht und ohne Ruckeln ihren Dienst tun. Teste die Funktion der Schlösser. Falls Batterie an Bord: Pole sauber, Säurestand in Ordnung? 

  • Probefahrt: Eine Probefahrt beginnt in der Regel, nachdem ihr die vorhergehende Checkliste abgearbeitet habt. Testen müsst ihr auf jeden Fall gleich zu Beginn die Bremsen vorne und hinten. Bei einem ausgiebigen Ausritt solltet ihr auf verdächtige Geräusche des Motors in kaltem und warmem Zustand achten. Eventuell jemanden mitnehmen, der Erfahrungen mit dem gleichen Motorradtyp hat oder einen Fachmann zu Rate ziehen. Wie läuft an Motorrad bei kaltem, mittelwarmem und heißem Zustand an?

Alles klar? Na dann viel Spaß mit dem neuen Gerät!
(Diese Checkliste soll nur Unterstützung und Hilfe beim Kauf von Gebrauchtmaschinen anbieten. BABOONS übernimmt keinerlei Haftung!)


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